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Gut Sögeln


Gut Sögeln
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Der Ursprung der Gutsanlage Sögeln bei Osnabrück ist in einem mittelalterlichen Gräftehof zu vermuten, einer durch Wassergräben befestigten Hofanlage, die 1350 als „Wohnung“ der Osnabrücker Ministerialien erwähnt wird. Fast achtzig Jahre später wird die Anlage erstmals als „Burg“ bezeichnet, deren bauliche Gestalt unbekannt ist. Mit Sicherheit stammt jedoch das dreifache, heute etwas reduzierte Gräftesystem aus dieser Zeit.

Die Wende zum 19. Jahrhundert ist für die bauliche Entwicklung von Sögeln die entscheidende Zeit. Der damalige Besitzer, Friedrich Philipp von Hammerstein, ließ ein neues Wohnhaus errichten, das zwar in seiner zurückhaltenden Gestaltung bereits den Klassizismus erkennen läßt, aber vor allem durch die später hinzugefügten kurzen Flügelbauten wie ein barockes Gebäude wirkt.

Aufgeräumte Allee auf einem Dammweg

Die Besitzer wollten der Anlage ihren wehrhaften Charakter nehmen und bedienten sich dazu der Mittel der zeitgemäßen Gartenkunst. Die Graft vor dem Haus wurde teilweise verfüllt, um das Gebäude aus seiner Isolation zu befreien und in eine gärtnerisch gestaltete Umgebung einbinden zu können; gleichzeitig wurden die Gräben hinter dem Haus vereinigt, um ein zusammenhängendes, teichartiges Gewässer zu schaffen. Einen genauen Plan der landschaftlich umgestalteten Anlage gibt es nicht, so das sich kein detailliertes Bild des Gartens gewinnen lässt. Die heute noch vorhandenen Gehölze und die noch nachvollziehbaren Wege stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilweise auch aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Wiesen in der Umgebung des Guts wurden im Winter mit dem Wasser der Hase berieselt, um deren nährstoffreiches Wasser zur Düngung der Flächen zu verwenden. Die Dammwege wurden mit Gehölzen bepflanzt, um einen Holzvorrat für schlechte Zeiten anzulegen. Im Lauf der Zeit wurde die ästhetische Qualität dieser prägenden alleeartigen Pflanzungen erkannt. Es wurden Spazierwege auf den Dämmen angelegt, Sitzplätze eingerichtet und vor allem die langen Sichtachsen ausgehauen, die die Alleen durchbrechen.

Freigestellte Blickachse vom Gutshaus durch den Park im Sommer 2004

Die wichtigste und längste Achse hatte den Kirchturm des nahegelegenen Klosters Malgarten als Endpunkt. Diese weit in die Landschaft ausgreifenden Elemente und die Einbeziehung der Nutzflächen rücken Sögeln in die Nähe der „ornamented farms“, die gestalterischen Mittel entstammen dem Repertoire der Landesverschönerung, die vor allem von deutschen Gartenkünstlern im 19. Jahrhundert vorangetrieben wurde.

Die Familie von Rappard, in deren Besitz Sögeln 1871 gelangte, führte die Bemühungen um die Gestaltung des Guts und seiner Umgebung fort. Die Anlagen in der Nähe des Hauses wurden im Geschmack der Zeit verändert und neue Gehölze angepflanzt, die Alleepflanzungen teilweise erneuert. Das nähere Umfeld der 1871 errichteten neogotischen Kapelle wurde ebenfalls gärtnerisch ausgestaltet. Bis heute ist die Familie um den Erhalt der eindrucksvollen Anlage mit gutem Erfolg bemüht.

Text: Dr. Jens Beck (gekürzt), Aufnahmen: v. Bock

Durch die Gesellschaft wurden im Jahre 2001 die Reparatur von Ufermauern und die Sanierung von Brücken gefördert.

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