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Domänenpark Schickelsheim bei Königslutter

Gegenstand des Parkpflegewerks war der zwischen 1860 und 1870 von Amtmann und Pächter August-Urban Cleve (1820 - 1887), gleichzeitig mit der Errichtung eines neuen Gutskomplexes, angelegte Landschaftspark an der Domäne Schickelsheim bei Königslutter.

1668 wurde Schickelsheim als eigenständiges Gut von der Herzoglichen Kammer verpachtet, verwahrloste jedoch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Danach kam es zu einer Neuordnung des Gebäude- und Grundstücksbestandes zu dem auch ein kleiner „Lustgarten“ angelegt wurde. Nach 1768 setzte erneut ein Niedergang ein, so dass der Amtmann Cleve ab 1855 einen Neubau der gesamten Gutsanlage verlangte, der zwischen 1860 und 1870 umgesetzt wurde.

Von Westen kommend, versteckt sich der heutige Gebäudekomplex mit dem Herrenhaus und dem Wirtschaftshof hinter dem eindrucksvollen Baumbestand des 1,7 ha großen Parks. Unter Hinzuziehung von Trift- und Ackerflächen wurde ab 1863 ein landschaftlicher Park mit direktem Übergang in die freie Landschaft angelegt. Zu seiner Ausstattung zählte, ganz dem Zeitgeschmack entsprechend, ein Pleasureground mit reichem Blütenstrauchbesatz (Rosen). Neben zahlreichen solitären Sitzplätzen ausgestattet mit umfangreichem Gartenmobiliar, besaß der Park außerdem feste Bauwerke wie ein Borkenhaus, ein Eishaus und Sitzgrotten sowie einen reichen Blütenstrauchbesatz (Rosen).

Neben den dendrologischen Besonderheiten war die Erlebnisqualität vor allem durch eine besonders sorgfältig gestaltete Abfolge von Wegen, Sitzplätzen und Sichtachsen gekennzeichnet. Zudem bezogen, entlang der äußeren Wege, Sichtfenster die umliegenden Höhenzüge außerhalb der eigentlichen Parkgrenze intensiv in das Parkerlebnis mit ein, um seine geringe Größe zu kompensieren.

Schickelsheim-Gutshaus

Das Gutshaus

Schickelsheim-Blick-in-den-Park-1

Blick in den Park, 2011

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Blick in den Park, Sommer 2011

Hierzu verschönerte man in der Nähe liegende vorhandene Feldgehölze und Mergelgruben mit parkähnlichen Pflanzungen und pflanzte entlang der Straßen und Feldwege Obstbaumalleen an. Aber auch die Sichten auf die umliegenden Dörfer und Güter wurden in das Erlebniskonzept integriert, so z.B. der Blick auf den Dom in Königslutter. Daneben intensivierte Cleve die Obst- und Gemüseproduktion, in dem er den Nutzgarten östlich des Parks durch die Verlegung des Wirtschaftshofes ausweiten konnte und mit verschiedensten Formobstbäumen (Pyramiden, Palmetten, Cordons usw.) bestückte.

Der beachtliche Aufwand, den man betrieb, obwohl das Gut nur gepachtet war, lässt dabei auf einen ausgeprägten Gestaltungswillen der Familie Cleve für die Gesamtanlage schließen. Den vorläufigen gestalterischen Endpunkt im Park setzte der Bau eines verglasten Wintergartens auf der heute noch vorhandenen, aufgeständerten Terrasse. Nach dem Tod Cleves wurden seine gärtnerischen Ambitionen nicht weiter verfolgt und es setzte ein schleichender Niedergang des Parks ein.

Bis zur Mitte der 1960er Jahre war der Park jedoch noch relativ vollständig erhalten. Danach wurde mit Hilfe eines Landschaftsarchitekten aus Hannover eine tiefgreifende Umgestaltung im nördlichen Parkteil vorgenommen. Gleichzeitig gingen in den letzten Jahrzehnten vor allem die Wege und Sitzplätze, aber auch ein erheblicher Teil des alten Gehölzbestandes verloren. Die Wege ließ man vornehmlich zur Pflegereduzierung mit Rasen überwachsen und die historischen Sitzplätze in den angrenzenden Gehölzzonen verschwinden. Die historischen Steintische wurden abgebaut oder verfielen. Man versuchte auch mit einigen Nachpflanzungen dem Artenschwund mit dem üblichen Baumschulsortiment entgegen zu wirken. Außerdem führte das unkontrollierte Wachstum der unteren Baumschicht zur Schließung der Durchblicke aus dem Park in die freie Landschaft.

Die typische, bis heute überkommene Ausgestaltung des Parks, die zahlreichen formschönen Großgehölze, sowie die Zugehörigkeit des Parks zu einem nach wie vor bewirtschafteten Gutsbetrieb, machen ihn als eines der wenigen, in seiner Ausstattung und Größe vollständig erhaltenen Zeugnisse der Epoche des ländlichen Landschaftsgartens in der Ostbraunschweigischen Region besonders wertvoll. Der Park stellt ein außergewöhnlich authentisches Beispiel dieses Parktypus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dar.

Historische Parkanlagen sind als nicht statische Kulturdenkmale naturgemäß einem schnellen Wandel ausgesetzt. Im vorliegenden Fall hat die natürliche Entwicklungsdynamik, altersbedingter Abgang, unreflektierte Nachpflanzungen und fehlerhafte Pflege an Gehölzbeständen, Wegen und Ausstattungselementen, zu einer erheblichen Veränderung des ursprünglichen Parkbildes geführt.

Für eine Rekonstruktion der historischen, gestalterischen Situation bedarf es der Analyse der vorhandenen Parksubstanz und der Bewertung ihres qualitativen Zustandes, ihres Denkmalwerts und der Bilanzierung mit den historischen Gestaltungsabsichten. Darauf aufbauend ist eine weiterführende Rekonstruktionsplanung mit der Abwägung zwischen der Möglichkeit der Rekonstruktion oder der Weiterentwicklung des Parks im Sinne einer denkmalgerechten und gestalterischen Verbesserung zu erarbeiten. Mit dem Gutachten soll nun die Grundlage für weitere Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen nach denkmalpflegerischen Prämissen gelegt werden. Diese werden zum überwiegenden Teil vom Eigentümer selber umgesetzt werden.

Text (leicht gekürzt) und Aufnahmen: Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Kai-Uwe Grahmann

Die Erarbeitung des Pflege- und Erhaltungskonzeptes wurde 2012 finanziell  durch die Nieders. Gesellschaft zur Erhaltung hist. Gärten unterstützt.

 

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