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Allee in Heinde
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Allee in Heinde

Unmittelbar ostwärts an Kirche und Friedhof angrenzend, befindet sich auf einem Höhenrücken über dem Innerstetal die „Allee“, im Volksmund auch bezeichnet als „Heinder Allee“. Es handelt sich um den alten Kirchweg von der benachbarten Ortschaft Listringen nach Heinde, der mit der Pflanzung der Allee als Promenade gestaltet wurde. Die Allee verläuft nicht über das gesamte Wegestück zwischen den Ortschaften, sondern endet an der Gemarkungsgrenze von Heinde. Dort wurde sie als Halbkreis aufgepflanzt, der den Endpunkt markiert. Seine Exposition zeigt hinab in das Tal der Innerste.

Der Ursprung der Allee dürfte im 2. Drittel des 19. Jahrhunderts liegen. Sie wurde demnach unter Karl August Ludwig Reichsgraf von Wallmoden-Gimborn gepflanzt. Dieser war bekanntermaßen der Gartenkunst sehr zugetan und hatte in Hannover das Wallmodenschlösschen (heutiges Wilhelm-Busch Museum) mit einer bemerkenswerten Parkanlage (Georgengarten) anlegen lassen.

Die Allee darf neben ihrer Funktion als Kirchweg, als räumliche Fortsetzung der Parkanlage des Gutes Heinde verstanden werden. Das in der Niederung gelegene Wohnhaus mit seinen Wirtschaftsgebäuden besitzt unmittelbar hinter dem Gebäude ein kleines parkähnliches Luststück. Dieses greift in die Landschaft und wird durch malerische Einzelbäume fortgeführt. In Richtung Kirche legte man eine Art Höhenweg an, von dem aus ein Blick in das liebliche Innerstetal möglich war. Streuobstbestände, Terrassierungen und malerische Altbäume sind noch heute ablesbare Zeugnisse dieses Gestaltungsgedankens.

Heinde-Bestand

Überalterte und lückige Lindenallee, 2011

Heinde-beim-Rückschnitt

Das Schnittgut liegt noch neben den Bäumen, Januar 2013

Heinde-im-Neuaustrieb

Neuaustrieb und frisch gepflanzte Bäume im Herbst 2013

Ein undatiertes Planwerk aus dem Heinder Gutsarchiv zeigt im ersten Teilstück, dass die Allee völlig frei verlief und den Blick beidseitig in die Landschaft freigab. Der hintere Abschnitt wurde Richtung Süden, zur Abbruchkante der Innerste mit Gehölzen aufgepflanzt, so dass geschlossene Partien entstanden. Die ehemals gehölzfreien Abschnitte im vorderen Teil wurden etwa ab 1930 intensiv mit Obst bepflanzt. Hierbei spricht man in der Heinder Bevölkerung der Kultur entsprechend bei dem Abschnitt westlich der Kirche vom sog. „Apfelberg“, während der Abschnitt südlich der Allee den Namen „Zwetschenberg“ trägt.

Zum denkmalgerechten und substanzerhaltenden Umgang wurde zunächst mit dem Baumsachverständigen Dr. Clemens Heidger eine Bestandserhebung und -bewertung durchgeführt, deren Aufgabe die Ermittlung der Zukunftsfähigkeit der Einzelbäume bzw. des Alleekörpers war. Hierbei wurde ermittelt, das die Allee 2-reihig aufgepflanzt wurde und aus Winterlinden besteht. Der Pflanzabstand innerhalb der Reihe beträgt jeweils 3 Meter, zwischen den Reihen 6 Meter. Dieser geringe Pflanzabstand ergibt auf der etwa einen Kilometer langen Wegstrecke 670 Alleebäume. Eine Besonderheit ist der regelmäßig vollzogene Rückschnitt der Kronen, wodurch sich die Gehölze zu Kopfbäumen entwickelt haben.

Durch Überalterung, äußere Faktoren und den regelmäßigen Rückschnitt an den Bäumen kam es zu starkem Gehölzausfall innerhalb der Reihen. Die Allee wies bei der Erhebung bereits rund 220 Lücken oder Strünke auf. Weiter waren knapp 80 Bäume schon so stark beeinträchtigt, dass ihre Entfernung unausweichlich war. Danach war knapp die Hälfte des Bestandes nicht mehr vorhanden. Die zukunftsfähigen 370 Bäume hatten sich seit dem letzten Rückschnitt vor etwa 15 Jahren zu hohen und sehr schlanken Exemplaren entwickelt. Da die Gehölzstatik an dieses Wuchsbild aufgrund der wiederholt vorgenommenen Rückschnitte nicht angepasst war, drohte ein weiterer Gehölzverlust durch Kronenausbrüche oder das Umstürzen einzelner Bäume.

Zur Instandsetzung der Allee waren daher zwei Maßnahmenabschnitte erforderlich.

1. Entfernung nicht zukunftsfähiger Bäume und anschließender Rückschnitt der Kronen auf den historischen Schnitthorizont („Kappung“)

2. Neubesetzung der ehemaligen tradierten Gehölzstandorte

Im Januar 2013 wurden nach entsprechender Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden die abgängigen Bäume gefällt. Im Anschluss daran erfolgte der Rückschnitt der Kronen. Zeitgleich wurde eine Durchforstung der Randbereiche vollzogen, um dem Alleebestand und den Neupflanzungen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Ferner wurden umfangreiche Aufräumarbeiten des Kronenmaterials und Stubbenfräsarbeiten durchgeführt.

Im Oktober 2013 erfolgte schließlich die Neupflanzung in die Bestandslücken. Genau 300 Linden wurden an den zuvor eingemessenen Originalstandorten als ballierte Hochstämme gepflanzt.

In den folgenden Jahren ist der Eigentümer mit der Erziehung und Pflege des Alt- und Neubestandes gefordert. Regelmäßige Mahd, jährliche Wassergaben, Düngung, Aufasten der Neupflanzungen und weitere Arbeitsgänge werden erforderlich sein.

Text (leicht gekürzt): Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Andreas v. Hoeren
Aufnahmen: Pagels (Panorama) und v. Hoeren

Im Jahr 2013 wurde die Pflanzung der Linden durch die Stiftung gefördert.

 

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